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Dr. Karl Kriechbaum - Neuropsychologie - Psychotherapie - Wirtschafts-, Arbeitsberatung

Als Stress wurde ursprünglich von Hans Selye ein Zustand mit einer bestimmten Sympto­matik bezeichnet, der von außen einwirkenden Reizen, den sogenannten Stres­so­ren, her­beige­führt wird. Stress ist eine bestimmte Reaktion des Organismus auf Belastungsreize (Stressoren). Prozesse werden in Gang ge­setzt, um den Organismus in die Lage zu versetzten, mit der Belastungssituation
fer­tig zu werden.  

Positiver Stress, der im Zuge von großer Freude oder Begeisterung ent­steht, wird gewöhnlich rasch abgebaut und kann dem Betroffenen, wenn er nicht extrem ist, kaum schaden.

Negativer Stress kann den Organismus sehr wohl schädigen. Dieser kann zu einem Dauer­zustand werden und die Energiereserven erschöpfen. Lange anhaltende Stress­reaktionen führen zu bio-chemischen, epigenetischen und psycho-neuronalen Veränderungen und können in der Folge die Gesundheit gefährden.

Schon der 1. Weltkongress zum Thema Stress 1994 kam zum Ergebnis: 2/3 aller Krankheiten werden direkt oder indirekt durch Stress mitverursacht.
Nach Einschätzung der Harvard Medical School können 60 bis 90 % aller Erkrankungen
auf Stress zurückgeführt werden.

Die unangenehmen und beeinträchtigenden Stress-Symptome, Stress-Störungen und Stress-Schädigungen treten vielfältig in Er­scheinung:
Innere Unruhe, Nervosität, Hektik, Ärger, Gereiztheit, Nicht-Abschalten-Können, Schlaf­störungen, Müdigkeit, Verspannungen, Magen-, Darm-, Herz-, Kreislauf-, Atem­störungen, Schmerzen, kognitive und emotionale Hineinsteiger­prozesse, Un­kontrolliertheit, Konzentrations-, Ge­dächtnis- und Kreativitäts­störungen, Kommu­ni­kations- und Beziehungs­pro­bleme, Konflikte, Unlust, Frust, Aggressionen, Unsi­cherheit, Ängste, Panik­attacken, Leistungsschwäche, Depressionen, Krisen … Stö­rungen des Immunsystems (die Anfälligkeit für Allergien und Hauterkrankungen wie Neurodermitis und für Autoimmunerkrankungen wie Rheuma steigt).
Massiver und lange anhaltender Stress kann schließlich zum berühmt-berüchtigten Burnout-Syndrom führen. Erschöpfungszustände, körperliche Beschwerden, man­gelnde Belastbarkeit, geistige Leere, lähmende Unlust und schwere Depressionen bis hin zur völligen Arbeitsunfähigkeit sind die typischen Auswirkungen. Zur Behebung der zugrunde liegenden Stress-Schädigungen bedarf es oft einer monatelangen Ruhe- und Regenerationsphase. Andernfalls besteht die Gefahr, dass es bereits bei relativ geringfügen Belastungen zu empfindlichen Rückschlägen kommt.

Neue Ergebnisse der Hirnforschung zeigen, dass Stress die mensch­liche Denk- und Kontrollzentrale, den Präfrontalen Kortex, zum Teil massiv beein­trächtigt. Die Kontrollfähigkeit wird dadurch gestört.
Das Stresshormon Cortisol, das über die Blutbahn ins Gehirn gelangt, verstärkt diese Wirkung noch.
Es gibt Hinweise darauf, dass länger anhaltender Stress (über Tage, Wochen) die Ner­venverbindungen (signal­empfangenden Dendriten) im Präfrontalen Kor­tex degenerieren und im Mandelkern (primärer Gefühls­­speicher) wachsen lässt. Bei Abnahme der Stress-belastung können die Verbindungen im Stirnhirn­bereich gewöhnlich wieder nach­wachsen, bei extremem Dauer-stress aber offenbar nicht mehr. Es bleiben dau­erhafte Hirnschädigungen. Quelle: A. Arnsten, R. Sinha, C. Mazure, Yale School of Medicin

Diese Mechanismen fördern vermutlich die Entstehung von Depressionen, Sucht­verhalten, Ängsten und Post­trauma­tischen Belastungs­störungen. Frauen dürften dafür anfälliger sein. Östrogen verstärkt die Stress­anfällig­keit sowie das Depressions- und Suchtrisiko.

Forschungen weisen auch darauf hin, dass massiver Stress die Zellen des Hippo­campus schädigt. Das Speichern von Information und Erinnern an Neues wird dadurch beeinträchtigt.

Stö­rungen des Immunsystems durch die Überproduktion des Stresshormons Cortisol

Akuter Stress: Stärkung der unspezifische Abwehr, Verminderung der spezifische Abwehr
Die unspezifische Abwehr soll etwaige körperliche Schädigungen wie Wunden schnell beheben.
Die Anzahlzahl der weißen Blutkörperchen, der Fresszellen und der natürlichen Killerzellen steigt, letztere sind aktiver. Spezialisierte Immunzellen wie die T-Lymphozyten teilen sich langsamer.

Dauerstress: Schwächung der spezifischen und unspezifischen Immunabwehr.
Die Zahl der Immunzellen im Blut sinkt. Die natürlichen Killerzellen sind weniger aktiv und teilen sich langsamer.
Die Cortisol-Überproduktion verschiebt das Gleichgewicht von zellulärer und humoraler Immun-Abwehr: die zelluläre Abwehr wird geschwächt, die humorale Abwehr wird verstärkt.
Die Folgen: Die Anfälligkeit für Virus-Infektionen wie Grippe oder Herpes steigt, zudem wird durch die gesteigerte Pro­duktion von Antikörpern die Anfälligkeit für Allergien und Hauterkrankungen wie Neuro-dermitis sowie für Auto­immun-Erkrankungen wie Rheuma erhöht.

Menschen, die unter Dauerstress stehen, werden schneller krank und langsamer gesund.

Epigenetik - durch Erfahrungen verändern sich auch unsere Genfunktionen.
Psychische Belastungen und Stress nehmen starken Ein-fluss auf
die epigenetische Funktionsweise der Gene (z.B. durch DNA-
Methylierung), was zu Störungen bei der Protein-Expression
und somit zu eklatanten Fehlsteuerungen mit dramatischen
Auswirkungen führen kann. Stu­dien zeigen:
Akuter Stress bewirkt schon nach kurzer Zeit (etwa 20 Minuten !!) epigenetische Ver­änderungen, die sich aber gewöhnlich wieder zurückbilden. Massive Veränderungen können jedoch nachhaltig zu Funktions-störungen und Beeinträchtigungen führen.

Besonders dramatisch: Stress verkürzt die sog. Telomere, die Endstücke der Chro­mosomen, was den Alterungsprozess beschleunigen, Krank­heiten entstehen und die Lebenser­wartung deutlich sinken lassen kann.

Stress ist ein wahrer Leistungskiller, Krankmacher und Kosten­treiber.

Untersuchungen zeigen , dass Rückenschmerzen die häufigsten Beschwerden am Arbeits­platz und sonst wo sind – oft aufgrund psychischer Probleme. An 2. Stelle folgen bereits die direkten psychischen Belastungen mit Stress-Schä­digungen, Erschöpfung und Burnout.

Erhebungen belegen, dass 40% aller Arbeitnehmer unter starken psy­chi­schen Belastungen leiden und sich häufig ausgelaugt und erschöpft fühlen – vor allem auf­grund von Arbeits-, Zeitdruck und Stress. Weitere 40% fühlen sich zumindest zeitweise von der Arbeitsfülle, Zeitknappheit, dem Arbeitstempo, von hohen Zielsetzungen, Erwartungen und geringer Kontinui­tät, der Informationsflut sowie dem Mangel an Feedback, Anerkennung und Regeneration belastet.
Das menschliche Leid und die finanziellen Schäden (4% - 5% des BIP) sind enorm.
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