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© Dr. Karl Kriechbaum I www.humanoptima.com
Das
PsychoSophische Bewusstseins-Modell
betrachtet Bewusstsein als ein
evolutionär
entstandenes, emergentes
System, das uns Menschen befähigt,
Überleben,
Lebensqualität
und persönliche Entwicklung
zu sichern. Es ist keine bloße zufällige Begleiterscheinung neuronaler
Aktivität, sondern wird in diesem Modell als
funktionale,
adaptive
Eigenschaft
verstanden, die aus der Vernetzung
verschiedener neuronaler Subsysteme hervorgeht – insbesondere aus der
koordinierten Aktivität
thalamokortikaler Netzwerke
sowie
präfrontaler
und
parietaler Kortexareale
und
limbischer Strukturen
wie
Amygdala,
Hippocampus
und Insula,
die sensorische, emotionale und kognitive Informationen integrieren.
Der
evolutionäre Ursprung bewusster Erfahrung
wird in diesem Modell mit
emotional-motivationalen Systemen in
Verbindung gebracht, wie sie von Jaak
Panksepp beschrieben wurden. Dazu gehören
FEAR
(Furcht), SEEKING
(Exploration und Ressourcensuche), RAGE
(Verteidigung), CARE
(Fürsorge und soziale Bindung), LUST
(Fortpflanzung), PANIC/GRIEF
(Trennungsschmerz und soziale Kohäsion) sowie
PLAY (Spiel und
soziales Lernen). Diese Systeme erzeugen charakteristische
affektive Erlebniszustände
und motivationale Signale,
die Verhalten steuern, Aufmerksamkeit lenken und Lernen unterstützen.
Subjektive Erlebnisqualitäten
– häufig als Qualia
bezeichnet – begleiten solche Zustände und vermitteln dem Organismus, ob
eine Situation förderlich oder schädlich für Überleben, Wohlbefinden oder
soziale Bindung ist. Auf diese Weise können subjektive Erfahrungen die
Handlungseffizienz erhöhen und adaptive Verhaltensweisen fördern.
Unter
Qualia
werden
subjektive Erlebnisqualitäten verstanden,
also das qualitative 'Wie-es-sich-anfühlt'
eines mentalen Zustands. Ihre genaue neurobiologische Entstehung ist bislang
nicht vollständig geklärt und gehört zu den zentralen offenen Fragen der
Bewusstseinsforschung, die unter anderem im Kontext des 'Hard Problem of
Consciousness' diskutiert wird.
Bewusstsein wird hier als
emergentes Phänomen
verstanden. Es entsteht aus der
dynamischen Interaktion biologischer Strukturen
und
funktionaler Netzwerke des Gehirns.
Anschaulich lässt sich dies als Zusammenspiel verschiedener Ebenen
beschreiben: der biologischen Grundlage
aus Neuronen, Synapsen und neuronaler Plastizität (Hardware),
evolutionär entstandener motivational-emotionaler Systeme (Firmware)
sowie großskaliger Integrations- und Kontrollnetzwerke des Gehirns (Betriebssystem),
insbesondere frontostriataler und frontoparietaler Netzwerke, die
Wahrnehmung, Gedächtnis, Emotion und Kognition miteinander verknüpfen.
Bewusstsein lässt sich daher nicht durch die isolierte Betrachtung einzelner
Strukturen erklären, sondern nur durch die
Dynamik des gesamten Netzwerks.
Darauf baut die 'User-Software'
des
Ich-Bewusstseins
auf. Sie integriert Wahrnehmungen, Erinnerungen, Emotionen und Bewertungen
in ein dynamisches neuronales Selbstmodell und ermöglicht
Selbstreflexion, neue Einsichten,
Zielplanung und bewusste Selbstregulierung.
Wichtige beteiligte Hirnregionen sind unter anderem der
mediale präfrontale Cortex
(mPFC) für Selbstreferenz und Selbstreflexion, der
dorsolaterale präfrontale Cortex
(dlPFC) für Planung und kognitive Kontrolle, die
temporoparietale Übergangszone
(TPJ) für Selbst-Fremd-Differenzierung und Perspektivübernahme, der
posteriore cinguläre Cortex
(PCC) und der Precuneus
für autobiografisches Denken und Aspekte des Selbstmodells sowie die
Insula für
Interozeption und Körperwahrnehmung.
Entscheidungen
entstehen aus neuronalen Prozessen
wie Wünschen, Überzeugungen und Bewertungen möglicher Handlungsoptionen.
Dies entspricht einer kompatibilistischen
Sichtweise des
freien Willens:
Obwohl Gehirnprozesse biologischen Gesetzmäßigkeiten folgen, ermöglicht das
Bewusstsein Formen der Selbststeuerung, etwa die bewusste Modifikation,
Umsetzung oder Unterlassung von Handlungen. Freier Wille wird dabei als die
Fähigkeit verstanden, Handlungen auf Basis von Gründen, Bewertungen und
langfristigen Zielen innerhalb biologischer Rahmenbedingungen bewusst zu
modulieren.
Die PsychoSophische Intelligenz beschreibt die
praktische Operationalisierung
dieser Selbststeuerung des Bewusstseins. Sie ist mit
7
philosophischen Perspektiven
verbunden und wird in
7 Stufen
dargestellt: Selbst-Recheck (aktuelles Befinden prüfen), Selbst-Reset (ein
solides, vitales Ausgangsniveau herstellen), Selbst-Reflexion (Soll- und
Ist-Zustand sowie mögliche Widersprüche analysieren), Selbst-Rekognition
(Erkennen, Bewerten und Schlussfolgern), Selbst-Regulierung (bewusste
Steuerung von Denken, Befinden und Verhalten), Selbst-Revision (Überprüfung,
Korrektur und Optimierung) und Selbst-Realisierung (schrittweise Annäherung
an angestrebte Ziele). Diese Stufen verdeutlichen, wie reflektierende
Top-Down-Prozesse
grundlegende emotionale und motivationale
Bottom-Up-Prozesse modulieren können.
Bewusstsein
erscheint in diesem Modell somit als ein
evolutionär
entwickeltes System,
das
Überleben,
Lebensqualität
und
soziale Kooperation
unterstützt. Subjektive Erlebnisqualitäten beeinflussen
Aufmerksamkeit,
Motivation
und
Lernen.
Das
Ich-Bewusstsein
ermöglicht reflektiertes Handeln
und langfristige Lebensgestaltung.
Freier Wille
kann als bewusste Modulation von Denken und Verhalten innerhalb biologischer
Rahmenbedingungen verstanden werden. Bewusstsein ist dabei
biologisch verankert,
naturwissenschaftlich untersuchbar
und nach heutigem Forschungsstand eng mit der
Aktivität des Gehirns verbunden.
Zukünftige Fortschritte in
Neurotechnologie
und
künstlicher Intelligenz
könnten dazu beitragen, neuronale Muster subjektiver Zustände
präziser zu erfassen
und besser mit berichteten Erfahrungen zu korrelieren – ähnlich wie heute
physiologische Parameter
wie Puls, Blutdruck, Körpertemperatur, Hautleitfähigkeit oder Gehirnwellen
gemessen werden. Dadurch könnte sich das wissenschaftliche Verständnis von
Bewusstsein und Ich-Bewusstsein weiter vertiefen.
Die
Kernaussage
lautet somit:
Bewusstsein
ist ein
emergentes,
evolutionär
entstandenes, hierarchisch
organisiertes System subjektiver
Erfahrungen, einschließlich basaler und
reflektierter
Erlebnisqualitäten
(Qualia), das als inneres
Navigationssystem
für Überleben
(Existenzialismus),
adaptive Lebensgestaltung,
gelingendes, erfülltes Leben (Eudaimonia)
und bewusste
metakognitive Selbststeuerung dient. |
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